Neubörger/Börger/Sögel. Drei Kirchen, drei besondere Instrumente und ganz unterschiedliche Klangwelten: Zum Deutschen Orgeltag öffneten im nördlichen Emsland die Herz-Jesu-Kirche in Neubörger, die St.-Jodocus-Kirche in Börger und die St.-Jakobus-Kirche in Sögel ihre Türen. Der Orgelsachverständige und Regionalkirchenmusiker Jörg Christian Freese aus Sögel und Regionalkirchenmusiker Ralf Stiewe aus Papenburg stellten den interessierten Besucherinnen und Besuchern die Orgeln vor und ließen sie in kurzen Konzerten erklingen.
Der Deutsche Orgeltag findet traditionell am zweiten Sonntag im September zeitgleich mit dem „Tag des offenen Denkmals“ statt. Veranstalter ist die Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands. Das Bistum Osnabrück beteiligte sich in diesem Jahr erstmals mit einem eigenen Programm. Neben den Veranstaltungen im nördlichen Emsland gab es unter anderem Orgel-Kurzkonzerte und Informationen zur Geschichte der Instrumente in St. Johann in Osnabrück und St. Matthäus in Melle.
Die Orgelreise begann in Neubörger an der frisch restaurierten Feith-Orgel der Herz-Jesu-Kirche. Ralf Stiewe eröffnete das Konzert mit seiner eigenen Orgelbearbeitung des dritten Satzes aus Robert Schumanns „Rheinischer Sinfonie“ sowie dem „Choral dorien“ von Jehan Alain.Jörg Christian Freese stellte anschließend die Besonderheiten des Instruments vor und bezeichnete die Feith-Orgel als „Kleinod“. „Viele romantische Musiken klingen wunderbar an der Orgel“, erklärte er. Eine Besonderheit ist das fehlende verzierte Gehäuse: Die Pfeifen stehen frei und geben dadurch den Blick auf das Innenleben des Instruments frei.Freese selbst präsentierte den zweiten Satz aus der zweiten Orgelsonate von Paul Hindemith sowie den „Tanz der Glückseligen“ von Zdeněk Fibich.
Von Neubörger ging es weiter ins benachbarte Börger. In der St.-Jodocus-Kirche erwartete die Besucherinnen und Besucher ein Instrument mit besonderer historischer Bedeutung. Die Orgel wurde 1861 von Johann Bernhard Kröger gebaut.„Diese Orgel gehört zu den ältesten im Bistum, die im Grundbestand noch original erhalten ist“, erläuterte Freese. Auch die aufwendig konstruierte Mechanik des Instruments konnte bei der Vorstellung genauer betrachtet werden.Klanglich erlebten die Besucher die historische Orgel unter anderem mit Josef Rheinbergers „Abendfriede“ und dem „Präludium in D“ von Max Springer, gespielt von Jörg Christian Freese. Ralf Stiewe brachte anschließend die Orgelsonate Nr. 1 von Felix Mendelssohn Bartholdy zu Gehör.
Den Abschluss der Orgelreise bildete die St.-Jakobus-Kirche in Sögel. Dort stellte Freese die Jardine-Orgel vor, die seit 2023 in der Kirche steht.Das Instrument hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich. Ursprünglich stand die Orgel in Großbritannien. Da dort zahlreiche Kirchen geschlossen werden und die Instrumente zum Verkauf angeboten werden, entschied sich die Sögeler Kirchengemeinde für den Erwerb der Orgel, um ihr früheres Instrument zu ersetzen.„Der Weg von Manchester auf den Hümmling ins Emsland war jedoch ein langer“, betonte Freese. Im März 2023 konnte die Orgel schließlich in Sögel geweiht werden. „Ihren ureigensten Zweck als englisches Instrument erfüllt die Orgel vor allem in der Begleitung von Chören und der singenden Gemeinde“, erklärte Freese. Mit „Carillon“ von Herbert Murrill, „Solemn Melody“ von Henry Walford Davies in der Bearbeitung für Orgel von John E. West und der „Fanfare“ von Jacques-Nicolas Lemmens stellte er die klanglichen Möglichkeiten des Instruments eindrucksvoll vor.
Ralf Stiewe setzte mit einer Improvisation über ein englisches Volkslied den Schlusspunkt. „Ein englisches Lied auf einer englischen Orgel“, kommentierte Freese passend.
Nach den jeweiligen Konzerten hatten die Besucherinnen und Besucher Gelegenheit, die Instrumente aus nächster Nähe kennenzulernen. Dabei konnten sie Fragen stellen und sich die Besonderheiten, die Funktionsweise und die Geschichte der jeweiligen Orgel erklären lassen.